Artikel aus der 12. Ausgabe des Gesundheitsmagazins Health Bells, herausgegeben von Santé Services.

Körperliche Betätigung erweist sich als entscheidende Voraussetzung für die Bewältigung der Herausforderungen des Alters, denn sie verbessert nicht nur die Lebensqualität der Senioren, sondern trägt auch zur Bewahrung ihrer Unabhängigkeit bei. Die Abteilungen für Physiotherapie und Ergotherapie der Hôpitaux Robert Schuman tauschen ihre Erfahrungen, Beobachtungen und Empfehlungen zur Bedeutung von Bewegung in der Geriatrie aus.

Was hat Sie dazu motiviert, sich auf die Behandlung alter Menschen zu spezialisieren?

Nach einer über 20-jährigen Tätigkeit als Physiotherapeutin entdeckte ich in der Geriatrie ein weitgehend berufsübergreifendes Fachgebiet. Dieser Bereich verlangt eine enge Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Fachkräften – Ärzten/Ärztinnen, Pflegefachkräften, Rehabilitationstherapeuten – und den Angehörigen. Es handelt sich um ein eigenständiges Fachgebiet, in dem jeder Beteiligte zur Erfüllung der spezifischen Bedürfnisse der alten Menschen beiträgt, häufig in Absprache mit ihren Angehörigen.

Zur Vertiefung meiner Kompetenzen habe ich meine ursprüngliche Qualifikation durch einen Hochschulabschluss in geriatrischer Rehabilitation und einen Master in Gerontologie ergänzt. Dieses Wissen befähigt mich zur ganzheitlichen Begleitung meiner Patienten unter Berücksichtigung ihrer Gebrechlichkeit und ihrer Mehrfacherkrankungen.

Die häufigsten Erkrankungen in der Geriatrie

Bei alten Menschen sind die Gründe für die Klinikeinweisung vielfältig und hängen häufig mit ihrer Gebrechlichkeit zusammen. Zu den üblichen Ursachen gehören Stürze, Lungen- und Harnblaseninfektionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und neurologische Störungen. Solche Ereignisse können zu einem schnellen Rückgang der Unabhängigkeit führen, besonders bei Patienten, die von Mehrfacherkrankungen betroffen sind.

Unsere Patienten in der geriatrischen Rehabilitation sind nicht repräsentativ für ihre Altersgruppe in der Gesamtbevölkerung. Häufig weisen sie geriatrische Syndrome auf – etwa einen Verlust an körperlicher Unabhängigkeit, neurologische Störungen, Unterernährung oder Dekubitus -, weil ihre körperlichen Kräfte nach einem akuten Ereignis, wie z. B. einem Sturz oder einer Infektion, erschöpft sind. Dann besteht unsere Aufgabe darin, ihren Zustand zu stabilisieren, und ihnen die Wiederherstellung eines gewissen Grads an Unabhängigkeit zu ermöglichen, soweit das machbar ist.

Die Wohltaten einer regelmäßigen körperlichen Betätigung

Regelmäßige Bewegung hält den körperlichen Abbau auf, bewahrt die Muskelmasse und verbessert die Knochendichte. Sie senkt das Sturzrisiko und wirkt sich zugleich positiv auf die psychische und geistige Gesundheit aus. Insgesamt trägt sie zu einem gesunden Altern und zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

Als Physiotherapeutin sehe ich täglich die Vorteile der Bewegung: Schnellere Wiederherstellung der Unabhängigkeit, bessere Anpassung an neue körperliche Herausforderungen und Aufrechterhaltung des unentbehrlichen Gleichgewichtssinns. Außerdem regt die körperliche Betätigung die kognitiven Fähigkeiten und die soziale Interaktion an, vor allem wenn sie in der Gruppe praktiziert wird.

Anpassung der Aktivitäten an die Fähigkeiten der Senioren

Jeder Patient ist einzigartig. Bei der Entwicklung unserer Programme achten wir darauf, dass sie ihre Fähigkeiten anregen und zugleich ihre Grenzen berücksichtigen. Bei sehr pflegebedürftigen Patienten genügen einfache Bewegungen mit Unterstützung, um den Komplikationen der Immobilität vorzubeugen. Im Gegensatz dazu eignen sich für selbstständige Patienten dynamischere Übungen oder Denkaufgaben, die in ihre körperliche Betätigung eingebaut werden.

Überwindung der Vorbehalte gegenüber der körperlichen Betätigung

Chronische Schmerzen, Sturzangst und Motivationsmangel stellen häufige Hindernisse dar. Wir bieten geeignete Übungen an und würdigen jeden Fortschritt, um unsere Patienten zu ermutigen. Auch die Umgebung spielt eine Schlüsselrolle: Es ist wichtig, sie barrierefrei und sicher zu gestalten, um die Bewegung zu fördern.

Die Angehörigen stellen innerhalb dieses Konzepts unverzichtbare Partner dar. Ihre moralische Unterstützung, ihre Anwesenheit und ihre Fähigkeit, einfache Übungen in den Alltag der Senioren einzubauen, leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. Wir sensibilisieren sie für die Bedeutung der körperlichen Betätigung und schulen sie entsprechend, damit sie ihre Angehörigen effizient betreuen können.

Körperliche Betätigung trotz Schmerzen und Einschränkungen

Auch bei Schmerzen ist Bewegung von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise können geeignete Übungen die Symptome der Arthrose lindern, die Gelenkmobilität verbessern und die Muskeln kräftigen. Bewegungsmangel verschlimmert dagegen die Gesundheitsprobleme. Mit der Unterstützung einer Fachkraft kann selbst für die gebrechlichsten Patienten ein sicheres und heilsames Trainingsprogramm entwickelt werden.

Empfehlungen für die Einbeziehung der Bewegung in den Alltag

Die Empfehlungen der WHO sind eindeutig: 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche in Kombination mit Muskelaufbautraining und Gleichgewichtsübungen. Selbst einfache Bewegungen wie Gartenarbeit, Treppen steigen oder tanzen tragen zur Aufrechterhaltung einer guten körperlichen und psychischen Verfassung bei.

Ein hartnäckiger Mythos behauptet, dass es ungefährlicher ist, sich nicht zu bewegen. Doch in Wirklichkeit begünstigt es die Isolation und die Beschleunigung des körperlichen Abbaus. Die Ermutigung zur Bewegung, selbst wenn es sich um moderate Übungen handelt, ist das beste Rezept zur Bewahrung der Gesundheit und Unabhängigkeit der Senioren.

Zum Abschluss

Körperliche Betätigung ist viel mehr als bloße Gymnastik: Sie ist ein Mittel zur Bewahrung der Unabhängigkeit, Verbesserung des gesamten Gesundheitszustands und zur Stärkung der sozialen Beziehungen der Senioren. Dank eines berufsübergreifenden und bedarfsgerechten Ansatzes zeigen Fachkräfte, dass es möglich ist, im Alter in Bewegung zu bleiben und die Lebensqualität aufrechtzuerhalten.