Die Schwangerschaft oder die Planungsphase der Schwangerschaft (die Zeit vor der Empfängnis) könnte die ideale Gelegenheit sein, die eigenen Lebensgewohnheiten zu ändern und eine möglichst gesunde Umgebung zu schaffen.

Genau das bieten wir im Rahmen unseres Konzepts Nesting an. Der Begriff Nesting leitet sich ab von dem englischen Wort to nest für „nisten“. Das Ziel besteht in der Begrenzung der Exposition Ihres Babys gegenüber Schadstoffen in der Innenraumluft und endokrinen Disruptoren. Um es zu verwirklichen, klären wir Sie über die Substanzen auf, die das Raumklima belasten, damit Sie eine möglichst gesunde Umgebung für Ihr Neugeborenes schaffen können.

Weshalb sprechen wir während der Perinatalperiode das Thema Nesting an?

In dieser Phase ist es für Eltern besonders ratsam, die Exposition ihres Kindes gegenüber einer Vielzahl an gesundheitsgefährdenden Produkten zu begrenzen, denn der Fötus und das Kleinkind sind besonders anfällig für bestimmte Schadstoffe. Dieser Zeitraum der ersten 1000 Lebenstage reicht vom Tag der Empfängnis bis zum 2. Geburtstag des Kindes.

Während dieses Lebensabschnitts sind die auf ihr Baby fokussierten Eltern aufnahmebereiter für Präventionsmaßnahmen, die sich vorteilhaft auf ihre eigene Gesundheit und die Gesundheit ihres Kindes auswirken können. Wir stellen fest, dass viele Frauen sich dieser Herausforderungen spät bewusst werden, mitunter erst, wenn die Hälfte der Schwangerschaft bereits vorbei ist. Doch kein Grund zur Sorge, es ist nicht zu spät.

Welche Präventionsmaßnahmen können ergriffen werden?

Das Konzept Nesting beruht vor allem auf Regeln des gesunden Menschenverstands. Zweimal täglich die Wohnung lüften, die Verwendung chemischer Putzmittel begrenzen, Sprays und Lufterfrischer vermeiden, anstelle einer aufwändigen Desinfektion eine einfache Reinigung praktizieren. In Innenräumen ist die Schadstoffbelastung bis zu fünfmal so hoch wie im Freien, und die Anhäufung chemischer Substanzen vervielfacht die Gesundheitsrisiken.

Als Pflegeprodukt für das Baby ist eine rückfettende Seife völlig ausreichend: Die Verwendung einer Vielzahl an Ölen, Lotions oder Parfums ist überflüssig.

Gegenstände des Säuglingsbedarfs, neue Möbel, Kinderwagen oder Kindersitze für das Auto müssen frühzeitig ausgepackt und vor Gebrauch gelüftet werden, damit flüchtige, organische Verbindungen (Schadstoffe, die das Raumklima belasten) verdunsten können. Abnehmbare Textilbezüge müssen vor Gebrauch gewaschen werden.

Im Bereich Konsumgüter sollten Wasch- und Putzmittel mit Umweltzeichen bevorzugt werden. Bestimmte Apps, wie z. B. Yuka oder Quel produit, können helfen, Etiketten zu entschlüsseln und gefährliche Substanzen zu erkennen. Tatsächlich enthalten unsere üblichen Konsumgüter eine Menge an endokrinen Disruptoren, die unserer Gesundheit schaden.

Im Bereich Kosmetik enthalten ebenfalls viele Produkte endokrine Disruptoren, was besonders bedenklich ist, da sie die Hautbarriere passieren und in unseren Körper eindringen. Deshalb ist bei Kosmetika die richtige Auswahl entscheidend. Aufschlussreiche Kriterien für die Qualität eines Produktes sind Umweltzeichen sowie die Anzahl der Inhaltsstoffe (App INCI Beauty).

Im Bereich Ernährung sollten Sie saisonale, lokale und möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel bevorzugen.

Worin besteht die wesentliche Botschaft an die Eltern?

Selbstvertrauen, Rückbesinnung auf das Wesentliche und Betrachtung der Schwangerschaft als Chance, sich von ungesunden Gewohnheiten zu verabschieden. Das Konzept Nesting ist kein Streben nach Perfektion, sondern ein Weg, der schrittweise zu einer gesünderen Umgebung für die ganze Familie führt. Angesichts der Komplexität dieses Themas können wir nicht alles ändern, doch jede Kleinigkeit zählt.

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