Gespräch mit Raoul Mettenhoven, Physiotherapeut in den Hôpitaux Robert Schuman

Weshalb bieten Sie nach einer Herzoperation eine kardiovaskuläre Rehabilitation an?

Die Rehabilitation gehört zu den Empfehlungen zahlreicher Kardiologieverbände. Sie wirkt sich nicht nur auf die Herzfunktionen und den allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten positiv aus, sondern auch auf die Psyche. Es handelt sich um einen Prozess, der dem Patienten hilft, zu verstehen, was ihm widerfahren ist und mit der Herzerkrankung zurechtzukommen bzw. sich auf eine Herzoperation einzulassen.

Gibt es verschiedene Rehabilitationsprogramme?

Ja, doch das Hauptaugenmerk gilt dem Patienten, der Art des durchgeführten Eingriffs und der Schwere der Erkrankung. Manche Patienten haben beispielsweise mehrere Erkrankungen, was bei der Beurteilung ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit berücksichtigt werden muss.

Das Programm ist immer weitgehend festgelegt: Ausdauertraining auf einem Fahrrad und Übungen zur Kräftigung der Muskeln. Die Einheiten dauern normalerweise 1,5 Stunden, doch diese Dauer kann an den körperlichen Zustand des Patienten angepasst werden. Wir beginnen immer sehr vorsichtig und steigern die Intensität schrittweise im Lauf der Übungen und Termine.

Wenn ein Chirurg eine Rehabilitationsmaßnahme empfiehlt, bedeutet das, dass der Eingriff nicht so gut verlaufen ist wie erwartet?

Überhaupt nicht. Die Rehabilitation stellt eine Ergänzung der operativen Therapie dar. Sie soll ihre Ergebnisse optimieren und so lange wie möglich aufrechterhalten und dabei zugleich dafür sorgen, dass der Patient gesund bleibt.

Wie beurteilt man die körperliche Leistungsfähigkeit eines Patienten?

Der Kardiologe führt einen Belastungstest auf dem Fahrradergometer durch und steigert die Widerstandsintensität des Fahrrads so lange, bis der Patient ermüdet. Anhand dieses Belastungstests wird ersichtlich, wie weit der Patient gehen kann. So können die maximalen Intensitätswerte ermittelt werden. Das Rehabilitationsprogramm beruht folglich auf dieser Maximalfrequenz, und wir achten darauf, dass sie nicht überschritten wird.

Wie lange dauert die Rehabilitation?

Die Krankenkasse begrenzt die Anzahl der Termine auf 24. Der Kardiologe und der Patient können gemeinsam eine Verlängerung beschließen. Wenn sich der Patient noch zu schwach fühlt, setzen wir das Training gemeinsam fort. In der Regel empfehlen wir ihm die Anschaffung einer Smartwatch, mit der er seine Herzfrequenz überwachen kann, und nennen ihm einen Wert, der nicht überschritten werden darf. Die Trainingsintensität darf nicht zu niedrig sein, damit ein Minimum an Wirkung und Fortschritt erzielt wird. Sie darf aber auch nicht zu hoch sein, damit die Sicherheit des Patienten nicht gefährdet wird. Ebenso wird empfohlen, diese Trainingseinheiten in zwei Bereiche zu gliedern: Ausdauer (unabhängig von der gewählten Sportart) und Krafttraining. Wir wollen erreichen, dass der Patient sein Selbstvertrauen zurückgewinnt und sich bei den täglichen Übungen wohlfühlt.

Gibt es Selbsthilfe- oder Sportgruppen?

Es gibt einen Verband aus Herzsportgruppen in Luxemburg (www.algsc.lu), der Patienten in der postoperativen Phase aufnimmt. Die Betreuung wird von einem Physiotherapeuten, einem Kardiologen und einer Pflegefachkraft übernommen. Diese Maßnahme bietet die Möglichkeit zu einer risikofreien Sportausübung und zur Begegnung mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben.

Wie lauten Ihre Empfehlungen für Patienten, die sich vor der Rehabilitation fürchten?

Die Rehabilitation stellt eine echte Chance dar, insbesondere für das Verständnis der durchgemachten Herzerkrankung. Aus psychologischer Perspektive ermöglicht sie die Wiederherstellung des Selbstvertrauens. Das Herz ist der Motor des Körpers, und eine Beeinträchtigung dieses lebenswichtigen Organs verängstigt viele Menschen. Eine regelmäßige sportliche Aktivität kann den Blutdruck und die Herzfrequenz senken, aber auch den Kohlenhydratstoffwechsel positiv beeinflussen. Sie hat zahlreiche vorteilhafte Auswirkungen. Sport bildet einen untrennbaren Bestandteil einer gesunden Lebensweise und ist deshalb umso wichtiger für Menschen, die von einer Herzerkrankung betroffen waren.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus der zweiten Ausgabe des Health Bells, deren Schwerpunktthema die Kardiologie ist.