Vor der Schwangerschaft träumen die zukünftigen Eltern von ihrem Wunschkind. Sie idealisieren es und projizieren bereits jetzt alle erhofften Eigenschaften auf es.

Elternwerden bewirkt eine Wiederholung der eigenen Geschichte, des ganzen Lebens als Individuum, dessen Analyse und die Auseinandersetzung damit.

  • „Werde ich dem gewachsen sein?“
  • „Wird es mir gelingen, mein Leben an die Ankunft eines Kindes anzupassen und entsprechend zu ändern, nachdem ich schon so lange davon träume?“
  • „Wird es mir gelingen, Verantwortung für das Kind zu übernehmen?“
  • „Wird es mir gelingen, unvorhergesehene Ereignisse zu meistern?“
  • „Wie schaffe ich es, ihm einen Platz in meinem Leben einzuräumen?“

Es ist nicht leicht, sich die Mutter/den Vater vorzustellen, die/der man sein wird…

Während sich ihr Körper durch die Schwangerschaft verändert, hat die Frau Gelegenheit zu einer geistigen und psychischen Auseinandersetzung, die sie auf ihre zukünftige Mutterrolle vorbereitet. Der Platz des Einzelnen in der Partnerschaft verschiebt sich, wodurch sich ebenfalls die Rolle des Einzelnen ändert. Aus dem Ehepaar wird ein Elternpaar, und die Kernfamilie entsteht.

Die Perspektive des Vaters entwickelt sich von „Meine Frau erwartet ein Kind“ zu „Wir bekommen ein Baby“. Dieser neue Platz und diese veränderte Rolle bereiten dem Vater größere Schwierigkeiten, denn alles spielt sich in seinem Kopf ab, in seinem Denken, und nicht in seinem Körper.

Die gemeinsame Wahrnehmung der Vorsorgetermine, die Anwesenheit bei den Untersuchungen, die Haptonomie-Übungen machen dieses Kind wahrnehmbar und sehr real, was die Verwandlung des Mannes und der Frau in zukünftige Eltern begünstigt. Doch erst die tatsächliche Begegnung mit diesem Baby vermag es, „die Bindung“ zwischen Mutter/Vater und Kind entstehen zu lassen. Mit der Entdeckung des Babys außerhalb des Mutterleibes beginnt ein Lernprozess, während dessen die Eltern nach und nach erkennen, wer es ist und was es braucht…

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Tragen, füttern, versorgen, trösten, für es da sein, sich von seiner Anwesenheit und seiner Verletzlichkeit anrühren lassen, alle diese Aspekte können die jungen Eltern überwältigen oder sogar überfordern.

Die ständige körperliche und emotionale Zuwendung ist nicht so leicht zu bewerkstelligen, wie man meinen könnte, und manche Eltern versinken in Erschöpfung und Entmutigung. Darüber hinaus kommen bei einigen jungen Eltern zahlreiche Fragen auf: „Wie wurden wir selbst als Kinder liebkost, beruhigt, getragen, getröstet?“

Die beiden Elternteile bilden ein Team. Sie müssen sich gegenseitig unterstützen und solidarisch sein.

Auch das Kind spielt im „Prozess der Elternwerdung“ eine wesentliche Rolle. Die Aufmerksamkeit, die es beiden Eltern entgegenbringt, der Blickkontakt, die Beruhigung, die es in ihren Armen erfährt, sein Wohlbefinden beim Hautkontakt, all das sind positive Botschaften: „Ja, ihr macht es richtig, mir geht es gut…“

Und im Lauf dieser Begegnungen, dieser Kontakte festigt sich die Bindungsbeziehung, die für die Entfaltung des Babys, aber auch für die Verwirklichung des „Elternwerdungsprozesses“ unverzichtbar ist.

Es handelt sich um eine positive Energieschleife, die sich endlos fortsetzt, wie eine Spirale.

„Ich bin für dich da, ich kümmere mich um dich, und du, Baby, begegnest meinem Blick, du belohnst mich mit deinem Lächeln und machst mich zur Mutter/zum Vater.“

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Elternschaft: die Elternschule
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