Die Sexualität gehört zu unserem Leben, und jeder Mensch durchläuft eine individuelle Entwicklung und sammelt in seinem eigenen Rhythmus sexuelle Erfahrungen. Mehrere Studien zeigen, dass die Vertrautheit mit sich selbst, dem eigenen Körper und den eigenen sexuellen Reaktionen (körperliche und psychologische Veränderungen beim Geschlechtsverkehr) eine gesunde Entfaltung der Sexualität fördert.

Der sexuelle Reaktionszyklus umfasst vier Phasen. Die amerikanischen Sexologen Masters und Johnson widmeten ihnen eine ausführliche Forschungsarbeit (1966), die später von anderen Wissenschaftlern vervollständigt wurde. Diese Phasen sind bei Mann und Frau identisch, werden aber unterschiedlich erlebt, zunächst geschlechtsspezifisch, aber auch individuell (Alter, Gesundheitszustand, psychische Verfassung usw.).

 

Erregungsphase

In dieser Phase entsteht infolge sexueller Reize ein Lustempfinden. Meistens wird die Erregung durch sexuelles Begehren hervorgerufen, doch es ist ebenso feststellbar, dass sich das Verlangen, hauptsächlich bei Frauen, nicht immer vor dem Geschlechtsverkehr äußert. Die Erregung entsteht also vielmehr aus einer bewussten Entscheidung oder aus dem Werben des Partners (Basson, 2001).
Die Dauer der Erregungsphase reicht je nach Intensität und Wirksamkeit der Zärtlichkeiten von einigen Sekunden bis zu einigen Minuten. Bei Frauen in den Wechseljahren dauert es tendenziell länger, bis sich die Erregung einstellt.

 

Plateauphase

Hierbei handelt es sich um die längste Phase des sexuellen Reaktionszyklus. Sie entspricht einem dynamischen und wachsenden Erregungsgrad zwischen gesteigerter Erregung und Orgasmus. Die neuromuskuläre Spannung in der Plateauphase macht sozusagen den Orgasmus erforderlich. Der Abbau dieser Spannung dauert länger, und kann zu Frustration führen, wenn der Orgasmus nicht erreicht wird.

Allgemeine Darstellung des sexuellen Reaktionszyklus der Frau

 

Allgemeine Darstellung des sexuellen Reaktionszyklus des Mannes

 

„Die Erregungsphase und die Plateauphase sind bei Mann und Frau nahezu identisch. Der Orgasmus (wenn er sich bei der Frau einstellt) wird graphisch auf dieselbe Weise dargestellt. Nach der Rückbildungsphase kann es bei der Frau zu weiteren aufeinander folgenden Orgasmen kommen.“

 

Orgasmus

Der Orgasmus entspricht der höchsten Intensität des sexuellen Lustempfindens am Ende der Plateauphase, das in eine Abfolge unwillkürlicher Muskelkontraktionen mit sehr kurzem Intervall mündet. (Bei der Frau betrifft dies die Beckenbodenmuskulatur und beim Mann den Penis.)

Bei der Frau kann der Orgasmus jederzeit unterbrochen werden, während der Mann einen Point-of-no-Return erreicht, der den Orgasmus und den Samenerguss auslöst. (Es gilt zu beachten, dass Orgasmus und Samenerguss nicht immer gemeinsam auftreten müssen.)

 

Die Rückbildungsphase

In dieser Phase nimmt die sexuelle Erregung ab, bis die physiologischen Vorgänge ihre Normalwerte wieder erreicht haben. Sie ist zumeist mit einer körperlichen und geistigen Entspannung verbunden.
Beim Mann wird diese Phase auch als Refraktärphase bezeichnet, da nach dem Orgasmus und der Ejakulation eine erneute Erregung über einen längeren Zeitraum nicht möglich ist. Mit zunehmendem Alter kann sich diese Phase bei Männern verlängern.

Bei der Frau ist die Rückbildungsphase normalerweise kürzer, doch manche Frauen geben ebenfalls einen Zeitraum an, während dessen sie keine neue Stimulierung wünschen.

Eine erfüllte Sexualität lässt sich nicht an der Anzahl und Intensität der Orgasmen messen, sondern sie ist das Ergebnis einer sehr persönlichen, harmonischen Ausgeglichenheit zwischen der Befriedigung körperlicher und psychischer Bedürfnisse.