Laut Weltgesundheitsorganisation ist weltweit jeder zehnte Erwachsene von einer Nierenerkrankung betroffen, und diese Tendenz trifft auch auf die luxemburgische Bevölkerung zu.

Die Diagnose Niereninsuffizienz und der Beginn einer Dialysebehandlung können einen tiefen Einschnitt im Leben eines Menschen darstellen. Sowohl das Privatleben als auch das Berufsleben kann dadurch auf den Kopf gestellt werden, und eine allmähliche Anpassung an diese veränderte Realität erscheint unumgänglich. Zur Bewahrung der körperlichen und psychischen Gesundheit kann es hilfreich sein, sich durch Integration der Krankheit in den Alltag mit den Einschränkungen auszusöhnen. Dazu gehört eine einwandfreie Vorbereitung auf die Behandlungsverfahren und ihre Nebenwirkungen, aber auch eine eventuelle Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, der persönlichen Organisation, des Körperbildes und sogar der Sexualität.

Die Dialyse wirkt sich erheblich auf den psychischen Zustand aus, was sich in verschiedenen Bereichen bemerkbar machen kann, im familiären Umfeld ebenso wie auf beruflicher und sozialer Ebene. Der Patient ist mit bisher unbekannten Einschränkungen konfrontiert: Unter Umständen muss er seine Alltagsorganisation nach 3 Dialyseterminen pro Woche einschließlich Hin- und Rückweg zur Klinik ausrichten. Wenn er sich für die zuhause stattfindende Peritonealdialyse entschieden hat, muss er lernen, die Maschine selbst zu bedienen. All das belastet die Psyche, was sich beispielsweise durch Schuldgefühle, Fassungslosigkeit und Überforderung äußert. Internationale Studien bestätigen tatsächlich, dass 20 bis 40 % der Dialysepatienten von Depressionen betroffen sind.

Angesichts einer terminalen Niereninsuffizienz kann es zu unterschiedlichen Reaktionen kommen:

  • Schock und Leugnung: In der ersten Phase nach der Diagnose wird von manchen Patienten die Realität angezweifelt oder die Erkrankung heruntergespielt.
  • Wut: Viele Patienten stellen sich die Frage: „Warum passiert das ausgerechnet mir?“ Dieses Gefühl von Ungerechtigkeit kann sich anschließend gegen sich selbst oder gegen das Umfeld richten, aber auch gegen die medizinischen Fachkräfte.
  • Feilschen: Manche Patienten suchen nach unkonventionellen Auswegen (Diäten, alternative Heilverfahren usw.). In diesem Fall besteht die Aufgabe der Pflegefachkräfte darin, aufmerksam zu sein und über potenzielle Gesundheitsrisiken aufzuklären.
  • Depression: Wenn Patienten erkennen, dass ihre Erkrankung chronisch und unheilbar ist, können Symptome einer Depression auftreten: Traurigkeit, Interessenverlust, Rückzug oder Schlafstörungen.
  • Akzeptanz: In dieser Phase geht es darum, den Patienten zu einer aktiven Anpassung an sein neues Leben zu befähigen.

Psychologische Begleitung kann dem Patienten helfen, die Krankheit besser zu verstehen und sich emotional damit auszusöhnen. Für Menschen, die eine Hämodialyse beginnen, kann diese Maßnahme eine wertvolle Unterstützung darstellen. Bei einer chronischen Erkrankung besteht die Herausforderung darin, die Hoffnung zu bewahren und trotz der Einschränkungen in Verbindung mit den Symptomen und der Behandlung positiv in die Zukunft zu blicken. Je besser der Patient seine Erkrankung und die durch sie verursachten Einschränkungen und Herausforderungen versteht, desto leichter fällt ihm die Akzeptanz und desto mehr wird seine Handlungsmacht gestärkt und seine Compliance gefördert. Es mag mühsam erscheinen, mit der Erkrankung zurechtzukommen, doch eine geeignete interdisziplinäre Begleitung hilft zahlreichen Patienten, ihr Berufs- und Sozialleben aufrechtzuerhalten, weiterhin Reisen zu unternehmen und allmählich eine hohe Lebensqualität zurückzugewinnen.