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Was ist Verwirrtheit? Was sind ihre Ursachen?

Die Behandlung einer schweren Krankheit kann sich für den betagten Patienten als extreme Belastung erweisen. Selbst wenn die notfallmäßige Aufnahme in einer stationären Einrichtung aufgrund einer akuten Erkrankung erforderlich ist, stellt sie einen radikalen Bruch mit dem gewohnten Alltagsleben dar.

Die Vielfalt der mitwirkenden Personen, der Verlust der gewohnten Orientierungsmuster, Schmerzen, Angst und bereits bestehende kognitive Beeinträchtigungen bewirken beim hilfsbedürftigen alten Menschen einen klinischen Zustand, den man in der internationalen Literatur als „akutes Verwirrtheitssyndrom“ oder „Delir“ bezeichnet.

 

Das Verwirrtheitssyndrom ist eine Form der akuten und vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung des Gehirns, die die Empfindlichkeit des Patienten zum Ausdruck bringt. Folgendes ist zu beobachten:

  • Störungen der Aufmerksamkeit und der geistigen Fähigkeiten (denken, Entscheidungen treffen, sich an Informationen erinnern…)
  • Fehlinterpretation der Umgebung mit Verlust der räumlichen Orientierung oder auch Unfähigkeit, die Angehörigen wieder zu erkennen
  • zeitliche Desorientierung und Störung des normalen Schlaf-Wach-Rhythmus…

Zwei Hauptformen des Verwirrtheitssyndroms sind anzutreffen: Eine Form mit vorherrschender Unruhe und eine andere Form, die im Gegensatz dazu durch einen scheinbaren Rückzug des Patienten gekennzeichnet ist, sodass dieser „zu ruhig“ wirkt.

In der Regel sind solche Veränderungen schwankend. Sie umfassen unterschiedliche Symptome und können auch zeitweilig verschwinden. Leider kann der Patient diese Symptome nicht kontrollieren.

Selbst wenn man zwischen den auslösenden Faktoren und den prädisponierenden Faktoren unterscheidet, sind die Mechanismen, die diese Störung der geistigen Fähigkeiten verursachen, noch nicht vollständig geklärt.

 

Tabelle 1: Auslösende Faktoren (nicht erschöpfende Liste)

Auslösende Faktoren
Infektionen (Lunge, Harnwege, Bauch, Gehirn…)
Stoffwechselstörungen (Ungleichgewicht der Blutkonzentration bestimmter Substanzen, wie z. B. Natrium, Calcium…)
Schmerzen körperlicher oder psychischer Art
Arzneimittel: unzureichende Verträglichkeit, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen unterschiedlicher Arzneimittel…
neurologische Vorgänge: Schlaganfall, Hämorrhagien…
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Infarkt, Herzrhythmusstörungen…
Stürze, Frakturen, chirurgische Eingriffe, Anästhesie, Bewegungsmangel, Aufenthalt auf der Intensivstation…

 

Tabelle 2: Prädisponierende Faktoren (nicht erschöpfende Liste)

Prädisponierende Faktoren
Beeinträchtigung des Seh- und / oder Hörvermögens
bereits bestehende Gedächtnisstörungen
unterschiedliche Vorerkrankungen
Mangelernährung
Polymedikation
Dehydratation
Alkoholkonsum oder -entzug
Depression

 

Prävention

Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen des akuten Verwirrtheitssyndroms gehört die Aufrechterhaltung einer einwandfreien Orientierung des Patienten:

  • Wiederherstellung der raumzeitlichen Orientierung: Uhr, Kalender, Hörgeräte, Brille…
  • Aufrechterhaltung des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Entspannende und beruhigende Umgebung: vertraute Gegenstände, Musik, Nachtlicht…

 

Auch die regelmäßige Anwesenheit der Angehörigen und ein entspanntes und aufmerksames Verhalten der Pflegekräfte üben einen positiven Einfluss aus.

Bei Patienten, die infolge eines Sturzes eine Fraktur erlitten haben, ist außerdem eine frühzeitige Mobilisation nach der Wiederherstellungschirurgie sehr wichtig.

Ebenso ist die Gewährleistung einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung und Ernährung des Patienten erforderlich.

 

Diagnose und Behandlung

Das Verwirrtheitssyndrom ist ein klinischer Zustand des alten Menschen, dessen Feststellung nicht immer einfach ist. Deshalb widmet das Pflegepersonal dieser Beeinträchtigung und ihrer Behandlung besondere Aufmerksamkeit.

Die Behandlung des Verwirrtheitssyndroms besteht in der Beseitigung der auslösenden Faktoren (Tabelle 1) und in der Verringerung der prädisponierenden Faktoren (Tabelle 2). In bestimmten Ausnahmesituationen (z. b. starke Unruhe) kann eine kurzfristige medikamentöse Behandlung angezeigt sein, um den Patienten vor den Folgen der Symptome (erneuter Sturz, Verletzung…) zu schützen.

 

Prognose

In der Regel geht das Verwirrtheitssyndrom nach einigen Wochen allmählich zurück.

Es ist jedoch sehr schwierig, für den einzelnen Patienten eine exakte Prognose zu erstellen. Nur die Entwicklung des Patienten im Lauf der Zeit und seine regelmäßige Beobachtung können präzise Antworten liefern.